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PKV-Wechsel für Angestellte: Voraussetzungen und Fristen

Für Angestellte hängt der Wechsel in die private Krankenversicherung an einer einzigen Zahl: dem regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt. Für eine bestimmte Einkommensgruppe verschiebt sich diese Zahl zum Jahreswechsel — und mit ihr das Wechselrecht.

Stand der Zahlen: · Verfasst von Kirill Kulekov, Gebundener Versicherungsvertreter gemäß § 34d Abs. 7 S. 1 Nr. 1 GewO

Wann darf ich als Angestellter in die PKV wechseln?

Angestellte dürfen wechseln, wenn ihr regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze übersteigt — 2026 sind das 77.400 € brutto im Jahr. Rechtsgrundlage ist § 6 SGB V. Unterhalb dieser Grenze besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, unabhängig davon, was der Beitrag kostet.

Maßgeblich ist das regelmäßige Entgelt, nicht das tatsächlich in einem Jahr Gezahlte: Feste jährliche Zahlungen wie Weihnachtsgeld zählen mit, ein einmaliger, nicht zugesicherter Bonus in der Regel nicht. Wer die Grenze nur wegen einer Einmalzahlung überschreitet, wechselt auf unsicherer Grundlage.

Warum endet das Wechselrecht für manche am 31. Dezember 2026?

Wer 2026 zwischen 77.400 € und 84.150 €Prognose verdient, darf nach heutigem Stand 2026 noch wechseln, 2027 aber nicht mehr. Grund ist die außerplanmäßige Anhebung der Versicherungspflichtgrenze um 3.600 € im Jahr, die aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24. Juli 2026 folgt (verkündet am 29. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 228). Dagegen gibt es einen Bestandsschutz, der zweierlei am 31. Dezember 2026 verlangt: an diesem Tag wegen des Einkommens versicherungsfrei und an diesem Tag bereits privat vollversichert. Nur wer beides erfüllt, für den wird die Grenze 2027 nicht zusätzlich angehoben (§ 6 Abs. 8 SGB V in der ab 01.01.2027 geltenden Fassung). Eine Zusatzversicherung genügt nicht — und wer erst zum 1. Januar 2027 versicherungsfrei würde, kommt zu spät. Grenze 2027: Kabinettbeschluss vom 07.10.2026; Zustimmung des Bundesrats und Verkündung im Bundesgesetzblatt stehen aus.

Für alle anderen Einkommensgruppen gilt keine Frist. Wer deutlich über der neuen Grenze verdient, kann auch 2027 und später wechseln — für ihn ist es eine reine Kostenfrage, keine Terminfrage. Werte für 2027 sind Prognosen. Die Rechengrößen 2027 (Grenzen und Bezugsgröße) hat das Bundeskabinett am 07.10.2026 beschlossen; Zustimmung des Bundesrats und Verkündung im Bundesgesetzblatt stehen aus. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2027 wird bis zum 01.11.2026 bekannt gegeben. Die endgültigen Werte können abweichen.

Warum der 31. Dezember 2026 zählt und nicht der 1. Januar 2027

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 228) hebt die Jahresarbeitsentgeltgrenze für 2027 zusätzlich zur Lohnentwicklung um 3.600 Euro im Jahr an. Für eine Gruppe gilt diese zusätzliche Anhebung nicht: für Beschäftigte, die am 31. Dezember 2026 versicherungsfrei und bei einem privaten Krankenversicherer vollversichert waren (§ 6 Abs. 8 SGB V in der ab 01.01.2027 geltenden Fassung). Beide Voraussetzungen müssen an diesem einen Tag zugleich vorliegen; eine private Zusatzversicherung genügt nicht.

Wer am 31. Dezember 2026 noch gesetzlich versichert ist, fällt nicht darunter. Liegt sein Gehalt unter der angehobenen Grenze, wird er 2027 wieder versicherungspflichtig — und § 8 Abs. 1 Satz 1 Nummer 1 SGB V gibt ihm dafür kein Befreiungsrecht, weil die Vorschrift die zusätzliche Anhebung bewusst nicht in Bezug nimmt. Die Gesetzesbegründung sagt das ausdrücklich: Sie „begründet kein Befreiungsrecht" (BT-Drs. 21/6130, Zu Nummer 6).

Daraus ergab sich die Terminkette, die diese Seite nennt: Die private Versicherung musste am 31.12.2026 laufen, begann also spätestens am 1. Dezember; die gesetzliche Mitgliedschaft endete dafür am 30. November; und weil eine Kündigung zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats wirkt (§ 175 Abs. 4 Satz 3 SGB V), musste sie bis zum 30. September 2026 erklärt sein.

Bis wann muss ich die Krankenkasse kündigen?

Für den Stichtag 31. Dezember 2026 ist diese Frist abgelaufen — die Kündigung hätte bis zum 30. September 2026 erklärt sein müssen. Nach § 175 Abs. 4 Satz 3 SGB V wirkt sie erst zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats: Wer später erklärt, ist am 31. Dezember 2026 noch gesetzlich versichert, die private Versicherung beginnt frühestens am 1. Januar 2027 — einen Tag zu spät für den Bestandsschutz, um den es auf dieser Seite geht. Eine Tür bleibt offen, und sie hängt nicht am Kalender: Wer 2026 eine neue Stelle über 77.400 € angetreten hat, läuft nicht über § 175, sondern über § 188 Abs. 4 SGB V — zwei Wochen ab dem Hinweis der Krankenkasse. Dazu die nächste Frage auf dieser Seite.

Riskant ist eine Kündigung auch zu einem späteren Termin nicht, und der Grund gilt für jede Kündigung: Nach § 175 Abs. 4 Satz 5 SGB V wird sie erst wirksam, wenn Sie innerhalb der Kündigungsfrist den Nachweis über die Anschlussversicherung vorlegen. Scheitert die Gesundheitsprüfung, bleibt Ihre gesetzliche Mitgliedschaft bestehen — ohne Versicherung stehen Sie zu keinem Zeitpunkt da. Auch die Zwölf-Monats-Bindung an die gewählte Krankenkasse greift nicht: Satz 7 nimmt die Kündigung ausdrücklich aus, wenn keine Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse begründet werden soll.

Das dreht die Reihenfolge um, die viele erwarten: Erst die Zusage des privaten Versicherers, dann die Kündigung. Zwischen Antrag und Zusage liegt die Gesundheitsprüfung, die je nach Vorgeschichte Rückfragen und ärztliche Unterlagen erfordert.

Ich habe 2026 eine neue Stelle angetreten — gilt der 30. September auch für mich?

Nein. Für Sie läuft eine andere Frist, und sie hängt nicht am Kalender, sondern an einem Brief Ihrer Krankenkasse. Wer 2026 eine neue Beschäftigung mit einem regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt über 77.400 € aufnimmt, ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V vom Beginn der Beschäftigung an versicherungsfrei — nicht erst zum Jahreswechsel. Was 2025 auf Ihrer Abrechnung stand, spielt dafür keine Rolle.

Der Ausstieg läuft dann über § 188 Abs. 4 SGB V, nicht über die Kündigungsfrist des § 175. Satz 1 lautet: Die Versicherung setzt sich als freiwillige Mitgliedschaft fort, „es sei denn, das Mitglied erklärt innerhalb von zwei Wochen nach Hinweis der Krankenkasse über die Austrittsmöglichkeiten seinen Austritt“. Nach Satz 2 wird der Austritt nur wirksam, wenn Sie das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweisen.

Daraus folgen zwei Dinge. Die maßgebliche Frist sind zwei Wochen ab dem Hinweisschreiben Ihrer Kasse — nicht zwei Monate zum Monatsende. Wer dieses Schreiben liegen lässt, wird automatisch freiwilliges Mitglied und ist danach wieder auf den langsameren Weg über § 175 angewiesen. Und: Für diese Gruppe schließt am 30. September nichts. Wann das Fenster endet, hängt davon ab, wann der Hinweis kommt — nicht vom Datum im Countdown oben.

Deshalb ist die erste Frage im Gespräch, ob dieses Schreiben schon da ist und welches Datum es trägt. Ohne dieses Datum lässt sich die Frist nicht ausrechnen, und jede Zahl, die wir Ihnen vorher nennen würden, wäre geraten.

Dass die Versicherungsfreiheit bei einer neuen Beschäftigung sofort und nicht erst zum Jahresende eintritt, ergibt sich nicht aus dem Gesetzeswortlaut selbst, sondern aus den Grundsätzlichen Hinweisen des GKV-Spitzenverbands vom 20. März 2019 (Nr. 4.1). Eine höchstrichterliche Entscheidung zu dieser Konstellation ist uns nicht bekannt.

Wie läuft der Wechsel konkret ab?

Der Ablauf besteht aus vier Schritten: Prüfung der Voraussetzungen, Gesundheitsprüfung und Antrag, Zusage des Versicherers, Kündigung der Krankenkasse mit Nachweis. Der zeitkritische Teil ist die Gesundheitsprüfung, nicht die Kündigung.

Vor dem Antrag steht die Frage, ob ein Wechsel überhaupt sinnvoll ist. Das hängt an mehr als am Beitrag: Gesundheitszustand, geplante Familiengröße, berufliche Perspektive und die Frage, ob eine spätere Rückkehr in die gesetzliche Versicherung realistisch wäre — als Angestellter nur bei einem Einkommen unter der Pflichtgrenze, ab 55 in aller Regel nicht mehr.

Was passiert bei der Gesundheitsprüfung?

Die Gesundheitsprüfung kann zu drei Ergebnissen führen: Aufnahme zum normalen Beitrag, Aufnahme mit Risikozuschlag oder Leistungsausschluss, oder Ablehnung. Die gesetzliche Krankenversicherung kennt das nicht — sie nimmt jeden auf. Das ist der wichtigste Unterschied, der in Beitragsvergleichen regelmäßig fehlt.

Wichtig ist die vorvertragliche Anzeigepflicht nach §§ 19 bis 22 VVG: Wer gefragte Umstände nicht angibt, riskiert auch Jahre später noch Rücktritt oder Anfechtung des Vertrags. Deshalb werden die Gesundheitsfragen vor dem Antrag durchgegangen — nicht danach.

Was kostet die gesetzliche Versicherung im Vergleich?

Wer den Höchstbeitrag zahlt, kommt 2026 auf 1.261,31 € im Monat, davon 648,09 € eigener Anteil. In der privaten Versicherung hängt der Beitrag am Eintrittsalter, am Gesundheitszustand und am gewählten Leistungsumfang; der Arbeitgeber steuert bis zu 613,22 € im Monat bei.

Ein belastbarer Vergleich lässt sich daraus nicht ableiten, weil der private Beitrag ohne Gesundheitsangaben nicht feststeht und beide Systeme unterschiedlich kalkulieren. Was sich vergleichen lässt, ist die bisherige Entwicklung — und die eigene Situation, wenn sie einmal durchgerechnet ist. Diese Seite ersetzt keine Beratung. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab — insbesondere von Gesundheitszustand, Familienplanung und beruflicher Perspektive.

Kann ich später wieder zurück in die gesetzliche Versicherung?

Als Angestellter nur, wenn Ihr regelmäßiges Einkommen wieder unter die dann geltende Versicherungspflichtgrenze fällt — und ab 55 Jahren in aller Regel gar nicht mehr. Grundlage der Altersgrenze ist § 6 Abs. 3a SGB V: Wer in den letzten fünf Jahren nicht gesetzlich versichert war, bleibt versicherungsfrei, auch wenn das Einkommen sinkt.

Das macht die Entscheidung weitgehend zu einer Einbahnstraße. Wer sie trifft, sollte deshalb nicht nur die heutige Beitragsdifferenz betrachten, sondern die Frage, ob das gewählte System auch in zwanzig Jahren noch passt.

Muss ich meinem Arbeitgeber Bescheid geben?

Ja. Der Arbeitgeber führt die Beiträge ab und braucht für den Zuschuss zur privaten Versicherung eine Bescheinigung des Versicherers. Ohne diesen Nachweis kann er den Zuschuss nach § 257 SGB V nicht auszahlen.

Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist dagegen nicht erforderlich — die Entscheidung liegt allein beim Arbeitnehmer. Die Meldung erfolgt über die Lohnbuchhaltung, üblicherweise mit der ersten Abrechnung nach Beginn der privaten Versicherung.

Wie lange dauert der Wechsel, und welche Unterlagen brauche ich?

Rechnen Sie von der ersten Anfrage bis zur Policierung mit mehreren Wochen — der zeitkritische Teil ist die Gesundheitsprüfung, nicht die Kündigung. Benötigt werden in der Regel Angaben zu Einkommen und Beschäftigung, die Antworten auf die Gesundheitsfragen und, je nach Vorgeschichte, ärztliche Unterlagen oder Befundberichte.

Wer den Wechsel zum 1. Januar plant, sollte deshalb nicht im Dezember beginnen. Für die Kündigung zum Jahresende muss die Zusage des Versicherers rechtzeitig vorliegen, weil die Kündigung ohne Nachweis der Anschlussversicherung nicht wirksam wird.

Was passiert zwischen Kündigung und Beginn der privaten Versicherung?

Eine Lücke entsteht nicht, wenn beide Termine aufeinander abgestimmt sind — die private Versicherung beginnt an dem Tag, an dem die gesetzliche Mitgliedschaft endet. Genau dafür verlangt § 175 Abs. 4 SGB V den Nachweis der Anschlussversicherung: Ohne ihn wird die Kündigung nicht wirksam, und die gesetzliche Versicherung läuft weiter.

In Deutschland besteht Versicherungspflicht; ein Zustand ohne Krankenversicherung ist rechtlich nicht vorgesehen. Praktisch heißt das: Der Beginn der privaten Versicherung wird auf den Ersten des Monats gelegt, der auf das Ende der Kassenmitgliedschaft folgt.

Quellen

Weiterlesen

Was das für Sie bedeutet

Die Zahlen auf dieser Seite gelten für alle. Ob ein Wechsel für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrem Einkommen, Ihrem Gesundheitszustand, Ihrer Familienplanung und Ihrer beruflichen Perspektive ab. Wir rechnen das mit Ihnen durch — und sagen Ihnen auch, wenn ein Wechsel nicht sinnvoll ist.

Hinweis: Wir sind gebundener Versicherungsvertreter gemäß § 34d Abs. 7 S. 1 Nr. 1 GewO und vermitteln ausschließlich Produkte der Allianz. Eine Beratung auf Grundlage einer ausgewogenen Marktuntersuchung findet nicht statt. Erstinformation

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